Programm Monroffer Stuff - Sonderausstellung TuS Mogendorf
Wie ein Dorf seine Spaltung überwand…
Mogendorf gelang 1951, was viele Jahre unmöglich schien: Die Rivalität zweier weltanschaulich gegensätzlicher Turnvereine wurde begraben.
1951 - das war genau das Jahr, als der Mogendorfer Friedhelm Dietz (Jahrgang 1937) gerade mal 14 Jahre alt, in den neuen TuS eintrat.
An den Grund erinnert er sich noch gut: „In der Turnhalle an der Vielbacher Straße habe ich als Kind meinen Onkel Arthur als Turner bewundert, und natürlich meinen Vater Eugen. Der war ein starker Mann und er hat in der untersten Reihe die akrobatische Turner-Pyramide (bestehend aus fünf Turnern) mit hochgestemmt.“ Turner waren im Dorf ganz hoch angesehen, das waren echte Vorbilder. Erfolgreich und von den Mädels umschwärmt“.
Über die lange Geschichte des „Turnerdorfs“ berichtet ab Oktober 2026 die erste Sonderausstellung in der „Monroffer Stuff“, dem Mogendorfer Dorfmuseum. Unter der Überschrift „Frisch, fromm, fröhlich, frei - und Verboten“ zeigt die Ausstellung, wie sich das 1000-Seelen-Dorf in der Weimarer Zeit in gleich zwei Turnvereinen wiederfand und wie gleichzeitig zwei Turnhallen an entgegengesetzten Ortsenden gebaut wurden. Der Wettbewerb hatte sein Gutes und brachte Turnidole hervor, klingende Namen bis heute. Doch diese wettbewerbliche Blütezeit fand im März 1933 ihr jähes Ende. Die im Arbeitersportbund turnende „Freie Turnerschaft“ wurde von SS und SA aus ihrer eigenen neuen Vereinshalle vertrieben, verboten und enteignet. Den rivalisierenden, einst sehr patriotisch gesinnten „Mogendorfer Turnverein 1892“, traf es nur zwölf Jahre später: Französische Besatzungssoldaten machten dessen Turnhalle zum Fahrzeugschuppen und verließen sie als Ruine. 1945 waren alle Turner verdächtig und ihre Vereine wurden verboten.
Auf zehn großen Fototafeln, mit alten Sportgeräten und einer Fülle historischer Dokumente berichten die Ausstellungsmacher des Kulturkreises Mogendorf e.V. von dem bewegten und bewegenden Schicksal der beiden Vereine bis 1945 und von der danach beginnenden neuen Zeit.
Mit einer neuen Idee begann vor 75 Jahren für den Turnsport in Mogendorf auch eine neue Epoche. „Ich war damals eher Leichtathlet. 100 m Sprint und Weitsprung, da war ich richtig gut!“ erinnert sich Dietz, der in diesem Jahr für seine 75-jährige Mitgliedschaft im TuS Mogendorf geehrt wurde. „Und von da war mein Weg zum Fußball nicht weit.“ Unter dem Leitgedanken „Ein Verein für alle und für jede Sportart“ fanden sich Turner, Fußballer, Kinder und Senioren, Prellballer, ja selbst eine Volkstanzgruppe zusammen. Ein historischer Film von 1962 zeigt den neuen TuS Mogendorf.
Der heute weit über 650 Mitglieder zählende Verein hat alle Spaltung der Vergangenheit überwunden. In den rasanten Nachkriegsjahren wurde der „vielfältige Einheitsverein“ zur emotionalen Heimat für viele, eine fühlbare und gelebte Dorfgemeinschaft.
„Mein Papa hat den Verein geliebt“ erinnert sich ein Kulturkreis-Mitglied. Ja, genau so war das, bestätigen gleich mehrere Besucher in der Schwätzeck der Monroffer Stuff, wo die Ausstellung seit Wochen vorbereitet wurde.
Die Sonderausstellung wird am Sonntag, 4. Oktober, 14 Uhr eröffnet, die Monroffer Stuff ist mittwochs und sonntags von 14:30 bis 16:30 geöffnet.






